Gesundheitstipps

 


 

Was ist Superfood?

Man hört diesen Begriff zurzeit immer häufiger – doch was ist „Superfood“ eigentlich genau und ist es wirklich so super?
Das Wort an sich ist nicht neu, es tauchte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Neu sind allerdings die zunehmende Erwähnung in unserer Medienlandschaft und die damit einhergehende Vermarktungsstrategie der Lebensmittelindustrie. Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) bezeichnet Superfood als Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben“. Das EUFIC schreibt aber auch: „[...] und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.“ Spätestens jetzt sollte man achtsam sein – eine exakte Definition des Begriffs existiert nicht. Insofern könnte theoretisch alles, was halbwegs gesund ist, irgendwann zum „Superfood“ deklariert werden. Es muss offenkundig „in“ sein und zur Mode bzw. zum Trend werden.

 

Unser Tipp: „Man prüfe alles und behalte das Beste.“

Cranberries gelten als eines der ersten „Superfood“. Die Meinung über diese Annahme bewegt die klinische Forschung bis heute.

 

Chia-Samen, Maqui-Beeren, Afa-Algen, Acai-Beeren, Spirulina oder Goji-Beeren – das sind einige Beispiele für momentan scheinbar populäre Lebensmittel. Allerdings gibt es auch bekanntere Obst- bzw. Gemüsesorten, denen man heute das Etikett „Superfood“ anheftet: Heidelbeeren, Rote Bete und auch das in Deutschland wahrscheinlich erste „Superfood“ – Cranberries. Es dürfte wohl rund 15 Jahre zurückliegen, als die „Großfruchtige Moosbeere“ oder auch „Kranichbeere“ als präventiv wirksam gegen Harnwegsinfekte angepriesen wurde. Die Meinung über diese Annahme bewegt die klinische Forschung bis heute. Eine aktuelle niederländische Studie hat nun herausgefunden, dass der regelmäßige Verzehr von Cranberry-Extrakt bei älteren Menschen (Durchschnitt: 84 Jahre) durchaus präventive Wirkungen auf Harnwegsinfekte haben kann – zumindest nach klinisch praktischen Kriterien. Übrigens darf auf vielen dieser Produkte kein „medizinisches Gesundheitsversprechen“ abgedruckt sein – die EU hatte 2007 die sog. Health-Claims-Verordnung erlassen. Diese unterscheidet zwischen „Nährwertbezogenen Angaben“ (z.B. „reich an Vitamin C“), „Gesundheitsbezogenen Angaben“ (z.B. „cholesterinsenkend“) und „Angaben über die Verringerung eines Krankheitsrisikos“ (z.B. „schützt vor Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems“). Alle drei Kategorien unterliegen den rechtlichen Anforderungen der Verordnung; wobei die letzt genannte Kategorie sogar einer Sondervorschrift unterliegt und demzufolge ein spezielles Zulassungsverfahren durchlaufen muss.

Regionale und saisonale Obst- und Gemüsesorten, wie hier auf einem Stand des Quakenbrücker Wochenmarktes, erfüllen alle Voraussetzungen, um sich gesund und ausgewogen zu ernähren.

Im Großen und Ganzen scheint es beim „Superfood“ mehr auf die Vermarktung als auf die (gesundheitsförderliche) Substanz anzukommen. Denn gemeinhin sind gesundheitsbewusste Menschen auch bereit, mehr Geld für gesunde Ernährung auszugeben – hier sei Vorsicht und Vernunft geboten.Das größte Problem bei der Bewertung eines „Superfoods“: Zumeist gibt es keine gesicherten Daten zu Enzym-Gehalten oder den Mengen einzelner sekundärer Pflanzenstoffe; auch Bedarfe sind nicht bekannt – eine gesundheitliche Bewertung ist eigentlich nicht möglich. Wer sich dennoch informieren möchte: Die Verbraucherzentrale NRW hat eine Übersicht zur Wirkung von einigen „Superfoods“ erstellt. Unser Fazit: Wir tun gut daran, uns nicht in die Irre führen zu lassen – jeder sollte für sich selbst entscheiden, was ihm guttut und wie er sich ernähren möchte. Dennoch lässt sich festhalten, dass regionale und saisonale Obst- und Gemüsesorten alle Voraussetzungen erfüllen, um sich gesund und ausgewogen zu ernähren.



Sebastian Kneipp: „Zu einer armen, einfachen Hausmutter muss man in die Schule gehen, wenn man nahrhaft kochen lernen will.“


Ihr Gesundheitsexperte des Kneipp-Bund e.V. Dr. med. Dr. Bernhard Uehleke, Abt. Naturheilkunde - Charité Berlin

 

 

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Wintergemüse

Sebastian Kneipp war überzeugt, dass diejenigen Lebensmittel, die vor Ort wachsen, auch für die Menschen am besten geeignet sind. Auch in den kalten Wintermonaten sind viele Gemüsesorten aus heimischen Anbau frisch erhältlich: Beispielsweise Wirsing, Rosenkohl, Pastinake, Schwarzwurzel, Feldsalat, Chicorée, Grünkohl und Lauch. Die Kälte macht diesem Wintergemüse kaum etwas aus; bisweilen werden Gewächshäuser und Folien benötigt, um sie vor extremer Kälte zu schützen. Bei einigen Sorten sorgt Frost dafür, dass Stärke in Zucker umgewandelt wird – was sich natürlich positiv auf den Geschmack auswirkt. Heimisches Wintergemüse wird zumeist frisch geerntet, punktet oftmals durch besseren Geschmack und hat sehr häufig eine große Menge gesundheitsförderlicher Inhaltsstoffe. Durch die kurzen Transportwege wird zudem das Klima geschont, da die Produkte nicht mit Flugzeug oder Containerschiff gebracht werden müssen. In der Regel entspricht heimisches Wintergemüse den geltenden Qualitätsstandards und ist frei von Gentechnik.

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Der Vitamin-C-Gehalt von Rosenkohl ist doppelt so hoch wie der von Orangen.

Unter dem heimischen Wintergemüse sticht besonders das Kohlgemüse hervor. Viele wichtige Vitamine, Spurenelemente (v.a. Eisen, Phosphor und Mangan), Mineral- (v.a. Magnesium, Calcium und Kalium) und Ballaststoffe und gleichzeitig wenig Kalorien – was will man mehr? Der Vitamin-C-Gehalt von Rosenkohl ist beispielsweise doppelt so hoch wie der von Orangen. Weitere wichtige Inhaltsstoffe von Winter- bzw. Kohlgemüse sind die sog. Glucosinolaten (Senföle), die auch für den typischen Geschmack verantwortlich sind. Diese sekundären Pflanzenstoffe hemmen das Wachstum von Krankheitserregern und wirken antimikrobiell – besonders bei Infekten der Atemwege und der Harnblase. Die präventiven und gesundheitsfördernden Eigenschaften beruhen auch auf einer Stärkung und Aktivierung des Immunsystems und dazu ergibt sich eine leicht entzündungshemmende Wirkung.

Insofern ist es eigentlich doch recht schade, dass viele Menschen eine Abneigung gegen Rosenkohl & Co. hegen – was mitunter an dem speziellen Geschmack und an dem Geruch liegt, den diese Gemüsesorten beim Kochen und Dünsten in der Küche verbreiten. So scheint es auch recht wenig verwunderlich, dass die Agrarindustrie seit Jahren Forschung betreibt, um die (schwefelhaltigen) Auslöser des intensiven Geruchs zu beseitigen – bislang erfolglos.

Sebastian Kneipp war übrigens ein Liebhaber von Kraut-Schupfnudeln. Wir wissen, dass Kneipp beim Thema Ernährung nichts verboten hat – nur das Übertreiben. Und was ihm auch wichtig war: Nicht nur die Qualität des Essens war für ihn aus gesundheitsförderlicher Perspektive wichtig; auch das Ritual des Speisens, das Zusammensetzen am Tisch: Genuss, Freude, Ruhe und Zeit gehörten für ihn ebenso zu einer gesunden Mahlzeit wie frisches Gemüse, Obst und Kräuter.

 

Sebastian Kneipp:
„Wo der Pfeffer wächst, dort soll er auch gegessen werden! Für unser Klima passen am besten Gewürze, die in unseren Gegenden wachsen.“

 

 

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Frühjahrskur

Der Frühling ist die ideale Jahreszeit, um sich des Ballasts des Winters zu entledigen, fit und aktiv zu werden und sich der
körperlichen und seelischen Gesundheit zu widmen. Denn viele Menschen haben Schwierigkeiten, nach den kalten und lichtarmen
Wintermonaten, oft begleitet von einem veränderten Ernährungsmuster und weniger Bewegung, in den Frühling zu starten – die
Frühjahrsmüdigkeit lässt grüßen.  Eine richtige Kneipp-Kur ist natürlich sehr empfehlenswert, da hier unter ärztlicher Anleitung
ein umfassendes Gesundheits- und Therapieprogramm individuell an die jeweiligen Bedürfnisse entwickelt und angepasst wird.
Aber auch eine Frühjahrskur in Eigenregie kann, unter Berücksichtigung einer fachgerechten und vernünftigen Durchführung, die
Gesundheit und das Wohlbe finden in erheblichem Maße verbessern.

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Steigende Temperaturen, mehr Sonnenstunden und das Erwachen der Natur verstärken die positiven Effekte einer solchen Frühjahrskur.

Über die Zusammenstellung der jeweiligen Frühjahrskur muss jeder für sich selbst entscheiden. Von drei bis sieben Tagen, aber auch über einige Wochen hinweg, ist vieles möglich. Eine Frühjahrskur kann ein breites Spektrum umfassen – vom Verzicht auf Genussmittel (z.B. Alkohol, Nikotin) über das Nullfasten nach Buchinger bis hin zur „Milch-Semmel-Kur“ nach F.X. Mayr.

Wichtig ist die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit – idealerweise mit Kräutertees, Frischpflanzensäften oder salzarmer Gemüsebrühe. Insbesondere Frühlings kräuter wie Bärlauch, Birken-, Brennnessel-, Löwenzahn- und Gierschblätter, Brunnenkresse, Zinnkraut und Spitzwegerich eignen sich hervorragend – Sebastian Kneipp empfahl beispielsweise Schafgarbenkraut für eine den Körper reinigende Frühjahrskur. Viel Bewegung an der frischen Luft, mäßiges Sonnenbaden und genügend Erholungspausen sollten Bestandteile der Kur sein. Unter stützende Kneipp-Anwendungen machen die Frühjahrskur komplett: Am Morgen bieten sich Lendenwickel, Tau- oder Wassertreten, ein kaltes Fußbad oder Trockenbürsten an.

Als abendliche Anwendungen empfehlen sich alternativ zum Wasser treten ein Knieguss oder ein warmes Fußbad bzw. ein Dreiviertelbad (natürlich nicht in Kombination). Das Fasten während der Kur fällt leichter, wenn man seinen Körper bereits einige Tage im Vorfeld mit reduzierter und vegetarischer Kost auf die Kur einstimmt. Ein solche Frühjahrskur kann dem derzeit in die Aufmerksamkeit gerückten sogenannten „Intervall-Fasten“ durchaus entsprechen. Dabei wird in zeitlichen Intervallen gefastet, also beispielsweise fünf Tage in jedem Monat. Diese Art des Fastens könnte im Vergleich zu gängigen Fastenkuren (z.B. nach Buchinger) deutlich einfacher in den Alltag der Menschen integrierbar sein, und: Es gibt keinerlei zeitliche Begrenzung!

Rein theoretisch könnte man ein solches Ernährungsmuster ein Leben lang durchhalten und gesundheitlich profitieren. Denn der Nahrungsverzicht in Intervallen stößt verschiedene günstige Prozesse im Körper an – während „ständiges“ Essen die fortwährende Insulinausschüttung aufrechterhält. Bitte beachten Sie: Bei all den Fastenvarianten, je nachdem was gerade in Mode ist, wird oft übersehen, dass Menschen bezüglich der Nahrungsaufnahme höchst individuell sind und deswegen eine bestimmte Kur nicht unbedingt für alle funktioniert.

 

Sebastian Kneipp:
„Seid froh, wenn‘s am Anfang der Kur schlecht geht. Wenn der Teufel ausgetrieben wird, macht er noch allerlei Sprünge und Streiche, bis er endlich’s Hintertürl findet. Erfolg in den allerersten Tagen ist kein gutes Zeichen; wie ich sage: Der Lump rumort noch, ehe man ihn beim Schwanz erwischt.“

 

 

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Heilpflanzen bei Erkältung

In den Wintermonaten haben Erkältungen und grippale Infekte Hochsaison. Viele Menschen setzen im Krankheitsfall auf die
Kräfte und Wirkstoffe der Natur – viele milde Heilpflanzen sind heutzutage wissenschaftlich gut untersucht und dokumentiert.
Zu Kneipps Zeiten gab es noch keine Studien, und doch hatte er eine hohe Meinung von der Anwendung milder Heilkräuter.
Dabei stützte er sich auf die lange Tradition der Klostergärten und der volksheilkundlichen Überlieferungen und entwickelte seine
Therapie stetig weiter. Und der Erfolg seiner Behandlungen gab ihm recht. Viele Heilpflanzen haben in klinischen Studien eine
Linderung der Symptome bei Erkältungen zeigen können.

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Die Zistrose ist eine neuere Heilpflanze aus dem griechischen Bereich.

Die Zistrose ist eine neuere Heilpflanze aus dem griechischen Bereich. Vor allem die Tatsache, dass die Zistrose in vitro starke antivirale Eigenschaften aufweist und sogar Vogelgrippeviren hemmt, hat zu großem Interesse der Forscher geführt. Auch wenn erste wissenschaftliche Ergebnisse erfolg versprechend sind, so müssen die klinischen Wirkungen bei Erkältungen noch genauer bestätigt werden. Und dennoch spricht in den kalten Wintermonaten kaum etwas gegen den Genuss eines Zistrosenkrauttees.

Bei einer Erkältung mit Beteiligung der Bronchien kann man auch auf die Wurzel der südafrikanischen Kapland Pelargonie zurückgreifen. Ein Extrakt dieser Wüstenpflanze ist bereits als Erkältungsmittel erhältlich; alternativ lässt sich auch ein Pflanzensud zubereiten. Die enthaltenen Cumarine, Flavonoide und Gerbstoffe unterstützen das Immunsystem, haben eine schleim lösende Wirkung und helfen bei der Bekämpfung von Krankheits erregern. Ob die als „Phytobiotikum“ bezeichneten Mittel allerdings klinisch wie ein Antibiotikum wirken, ist noch offen – ein Antibiotikum ist sowieso bei den meisten Patienten nicht wirklich hilfreich.

Neben den altbekannten Klassikern wie etwa Salbei, Thymian und Kamille ist vor allem der Spitzwegerich oder Malve bei Erkältungen der Atemwege und Reizhusten eine gute Wahl. Spezielle Schleimstoffe dieser Pflanzen legen sich, bei Kontakt mit Feuchtigkeit, wie eine Art Schutzfilm über die Schleimhäute und schützen diese vor Trockenheit, Schmerzen und Erregerwachstum.

Im frühen Stadium einer Erkältung besteht im Übrigen durchaus auch eine Chance, diese „weg zu baden“. Ein heißes ansteigendes ¾-Bad nach Kneipp, bei dem Brust und Schultern aus dem Wasser herausragen, kann sich positiv auf den Gesundheitszustand auswirken. Man beginnt mit rund 35 Grad und steigert die Temperatur im Laufe von ca. 15 Minuten auf etwa 39 Grad. Um den Kreislauf nicht zu überlasten, sollte dieses Bad nicht länger als 20 Minuten dauern; das Hinzufügen von Kräuterzusätzen kann die gesundheitsförderliche Wirkung noch verstärken.

 

Sebastian Kneipp:
„Die Pflanzen, die nicht giftig sind, haben alle etwas für unsere Natur;
wir sind an die verschiedenen Stoffe nur nicht gewöhnt.“

 

Archiv Gesundheitstipps:
Gesundheitstipp Januar - Was ist Superfood?
Gesundheitstipp Februar - Wintergemüse
Gesundkeitstipp März - Heilpflanzen bei Erkältung
Gesundkeitstipp April - Frühjahrskur
Gesundkeitstipp Mai - Wandel der Bewegungskultur
Gesundkeitstipp Juni - Baden im kalten Wasser
Gesundkeitstipp Juli - Gemeine Wegwarte
Gesundkeitstipp August - Sanddorn
Gesundkeitstipp September - Gesunder Schlaf

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Wandel der Bewegungskultur

Viele Dinge wandeln sich im Laufe der Zeit – auch das Kneippsche Element der Bewegung hat seit Kneipps Lebzeiten eine lange
Entwicklungsgeschichte hinter sich. Interessanterweise war auch hier Sebastian Kneipp seiner Zeit voraus, da er bei seinen Patienten damals schon Wert auf die persönliche Situation legte: Dem Schreibtisch-Beamten beispielsweise verordnete er Holzhacken, Feldarbeit und flotte Spaziergänge. Kneipp erkannte also recht früh den Bezug zwischen sozialem bzw. beruflichem Umfeld und körperlicher Reaktion und damit eigentlich heute den aktuellen Stand der sogenannten „mind-body-Medizin“.
Das Bewusstsein, den verminderten Gebrauch des menschlichen Körpers als bedeutenden negativ beeinflussenden Faktor der Gesunderhaltung zu sehen, versuchte Kneipp in den Köpfen seiner Zeitgenossen zu manifestieren. Sebastian Kneipp beschränkte sich nicht nur auf die Kräftigung des „menschlichen Leibs“ als Basis für einen „frischen und leistungsfähigen Geist“, sondern formulierte auch die Reduzierung von Über- oder Fehlbelastung während beruflicher Tätigkeit als wichtigen Baustein eines
ganzheitlichen Gesundheitskonzepts.

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„Jede Bewegung geschieht in einer Zeit und hat ein Ziel.“ - Aristoteles

Sport und Bewegungsformen haben sich seit jeher gewandelt und weiter entwickelt. Lange Zeit galt der klassische Vereinssport, mit  regelmäßigen Trainingszeiten in eigenen Räumlichkeiten bzw. Hallen, als Inbegriff der sportlichen Betätigung. Geprägt vom klassischen Olympismus der Moderne stand dabei jedoch vor allem das Leistungsprinzip, also der sportliche Wettkampf, im Vordergrund – Schlagworte wie Sieg, Höchstleistung und Rekorde unterstreichen diese Art der Bewegungskultur. Erst ab den 1970er Jahren rückten andere Werte ins gesellschaftliche Bewusstsein und veränderten nach und nach die sportlichen Motive: Auf einmal ging es den Menschen mehr um Spaß und Freude an der Bewegung, um das Erlebnis an sich und um eine Art Erfahrung des eigenen Körpers. Hinzu kam und kommt eine verstärkte individuelle Motivation, die von flexiblen Aus Übungszeiten und -orten geprägt ist. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Boom des Inlineskatens in den 1990er Jahren. Eine ganze Generation war auf den Schuhen mit acht Rollen unterwegs und ganze Innenstädte sperrte man eigens für Inlineskate-Events. Auch wurden immer häufiger Bewegungsformen aus anderen Kulturkreisen übernommen und haben sich mittlerweile etabliert: Egal ob Yoga, T’ai Chi, Qigong, Eurythmie, Akrobatik, Ausdruckstanz und vieles mehr – auch hier lässt sich der Trend erkennen, dass es mehr um Körperwahrnehmung und Ästhetik als um sportlichen Wett kampf geht. Vielen Menschen ist es heutzutage auch ein wichtiges Anliegen, sich alleine und in aller Stille sich zu bewegen (Stichwort: Joggen im Wald); auch Fitnessstudios liegen im Trend der Zeit. Unsere Bewegungskultur ist ein dynamischer Prozess und befindet sich in einem stetigen Wandel. Es wird künftig vermehrt darum gehen, die vorhandenen gesellschaftlichen Bedürfnisse und Ansprüche besser wahrzunehmen und demzufolge traditionelle Inhalte des Sports um neue Komponenten zu erweitern; wie etwa die Verbindung von Bewegung, Spaß und Spiel. Übrigens hat Kneipp die seinerzeit nach Wörishofen kommenden, damals neuen, Sportarten wie Fahrradfahren und auch Tennis durchaus interessiert verfolgt. Allerdings darf bezweifelt werden, dass er die heutige Kommerzialisierung gutheißen würde. Es gibt inzwischen eine kaum überschaubare Bandbreite weiterer „Trendsportarten mit Spaßfaktor“, wie beispielsweise Muskeltraining mit dem Flexi-Bar (Schwungstab), Trampolinspringen, Bouldern, Crossgolf, Slacklining und vieles, vieles mehr. Hauptsache es macht Spaß oder wie Kneipp zu sagen pflegte:

„Was dem Menschen hilft, was ihn gesund macht, das ist gut für ihn.“